Themenschwerpunkt: Arbeitssicherheit und Gesundheit – Staubminderung

Der Arbeitsschutz im Isolierfachbetrieb hat schon immer eine wichtige Funktion, denn Beschäftigte sind

die Grundpfeiler für ein erfolgreiches Isolierunternehmen. Durch effektive Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz können langfristige und akute Gesundheitsschäden sowie Unfälle verhindert oder vermindert werden. Im Wesentlichen fußen Arbeitsschutz-Regelungen auf den gesetzlichen, staatlichen Regelungen (europäisch, national) und / oder andererseits auf dem autonomen berufsgenossenschaftlichen Recht (vgl. bspw. § 3 Arbeitsschutzgesetz). Die ehren- und hauptamtlichen Vertreter des Deutschen Baugewerbes, so auch des Isolierhandwerks vertreten die Interessen der Betriebe in einer Vielzahl von Ausschüssen und Gremien. Von zentraler Bedeutung bei der Regelsetzung ist die Praktikabilität aller Maßnahmen, woran es aber zunehmend mangelt. Denn gerade in den sog. „gesetzlichen“ staatlichen Ausschüssen („staatliches Recht ist vorrangig zum berufsgenossenschaftlichen“) werden sämtliche Arbeitsschutzthemen aller Wirtschaftsbereiche in Deutschland gleichermaßen behandelt. Da systematisch bedingt in den staatlichen Ausschüssen viele Branchen vertreten und daher nur wenige Vertreter einer bestimmten Branche, z.B. aus der Bauwirtschaft, eingebunden sind, werden über die Belange der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes im Regelfall für eine bestimmte Branche ohne jegliche praktische Kenntniss aus den einzelnen Branchen entschieden. Dies trifft insbesondere die Bauwirtschaft als nicht-stationär arbeitende Branche, so auch das Isolierhandwerk, mit ihren spezifischen Anforderungen und Abläufen. Besonders die in Hülle und Fülle der vorgenommenen Grenzwertverschärfungen bzw. neuen Grenzwertsetzungen von Gefahrstoffen und Schadstoffen, insbesondere bei den Stäuben aus dem europäischen wie nationalen Bereich haben gravierende Auswirkungen für die Baustellentätigkeit und belasten besonders die kleineren mittelständischen Unternehmen. 

Gemeinsame Erklärung „Staubminimierung beim Bauen“

Staub ist im gewerblichen wie privaten Bereich allgegenwärtig und wird oft nicht als Gefahr für die Gesundheit wahrgenommen. Doch Staub kann bei hohen Belastungen zu schweren Erkrankungen der Atemwege führen. In der Bauwirtschaft, so auch bei der Isolierertätigkeit  entstehen zumeist sog. Mischstäube, die erfahrungsgemäß auch Quarzfeinstaub enthalten. Tätigkeiten mit Quarzfeinstaub sind nach der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 906 als „krebserzeugend“ eingestuft. Sie können zur Silikose führen und Lungenkrebs verursachen, wobei Erkrankungen oft erst nach Jahrzehnten auftreten. Deshalb kommt der Ermittlungspflicht als Grundlage für die Gefährdungsbeurteilung eine zentrale Rolle zu. Für Isolierfachbetriebe und Beschäftigte sowie alle weiteren Baubetriebe, aber auch für Bewohner und Nutzer von Gebäuden ist Staubminimierung ein zentrales Thema und steht seit geraumer Zeit bei der Arbeitssicherheit und dem Gesundheitsschutz prioritär im politischen wie gesellschaftlichen Fokus. Die flächendeckende Umsetzung des hohen Schutzniveaus in Deutschland mit den zusätzlich hinzugekommenen Herausforderungen, wie der erheblich abgesenkte Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für A-Staub und der neue Beurteilungsmaßstab für Quarzstaub, machen intensive und effiziente Anstrengungen aller Beteiligten zum Schutz vor Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Staub beim Bauen erforderlich.

Alle am Bau Beteiligten, wie Bauherren, Planer, Architekten, Baustoff-, Baumaschinen- und Gerätehersteller sowie ausführende baugewerblichen Betriebe sind daher für die Gesundheitsgefährdungen durch Stäube bei den betreffenden Tätigkeiten beim Bauen zu sensibilisieren, damit die notwendigen Maßnahmen zur Staubminimierung akzeptiert und vor allem umgesetzt werden. Von zentraler Bedeutung für den Erfolg ist wie immer die Praktikabilität aller Maßnahmen! Die Bauspitzenverbände, so der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, haben zusammen mit dem initiierenden Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vielen weiteren Organisationen die gemeinsame Erklärung „Staubminimierung beim Bauen“ auf den Weg gebracht. Die Unterzeichner und vor allem die Betriebe unternehmen seit langer Zeit schon erhebliche Anstrengungen zur Staubminimierung beim Bauen. Die Erklärung baut auf diesen bewährten Aktivitäten auf und soll diese optimieren und durch Beiträge weiterer Partner ergänzen. Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Steigerung der Effizienz aller Einzelmaßnahmen durch systematische Koordination und Kooperation. Dabei sollen die beim Bauen Beteiligten in der Praxis unterstützt werden. Durch die systematische Kooperation und Koordinierung in den vier Handlungsfeldern Kommunikation, Technik, Ermittlung der Staubexposition sowie Qualifikation soll die Wirksamkeit aller Einzelmaßnahmen gesteigert werden. 
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2016/bei-staubminimierung-an-einem-strang-ziehen


Präventionsanreize / Prämien der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft 

Die Sozialpartner, so der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) haben sich auf Präventionsanreize für die Mitgliedsunternehmen der BG BAU verständigt – nach dem Motto: „Freiwilligkeit steht vor Kontrolle und Überwachung“. Viele Maßnahmen werden von der BG BAU finanziell bezuschusst. Dazu zählen die Staubminderung betreffend Bau-Entstauber, Luftreiniger, Handmaschinen mit Absaugung, Absaugbohrer, Staubschutzwand Schnellspannvorrichtung, flüssigbetriebene Doppelflügelglätter, Katalysatoren für Betonglätter, Dieselpartikelfilter, Akku- und gasbetriebene Stampfer, Elektro-Fugenschneider. Aber auch viele weitere präventive Maßnahmen werden finanziell unterstützt – so aus den Bereichen Absturz, UV-Strahlung, Reduzierung körperlicher Belastungen, elektrische Gefährdung, lärmsichere Handmaschinen, Baumaschinen- und Baustellen-LKW sowie Organisation des Arbeitsschutzes.
Weitere Informationen finden Sie unter www.bgbau.de/praemien.


Branchenlösungen Staubminimierung für A-, E- und Quarzfeinstaub durch die Sozialpartner („Sozialpartnerabkommen“)

Die Bauspitzenverbände haben nach langen Verhandlungen erreichen können, dass bei Überschreitung des Arbeitsplatzgrenzwertes (AGW) für A-Staub von 1,25 mg/m³ eine Übergangsregelung bis zum 31. Dezember 2018 in Anspruch genommen werden kann. Bedingung hierfür ist die Vorlage eines Schutzmaßnahmenkonzepts. Abgestimmt wird diese Branchenlösung zwischen den Sozialpartnern und der BG BAU. Ohne Branchenlösung ist der neue wesentlich verschärfte Arbeitsplatzgrenzwert bei allen Bautätigkeiten strikt einzuhalten. Aber auch nach Ablauf der Frist stellen die Branchenlösungen den sog. Stand der Technik in der jeweiligen Branche dar. Mit den Branchenlösungen wird auch aufgezeigt, welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden sollten, um den Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für A-Staub spätestens nach dem Übergangszeitraum einhalten zu können. Dies erfolgt in der Regel über eine sog. Matrix, in der unter Berücksichtigung des A- und E-Staubes sowie auch des Quarzfeinstaubes Tätigkeiten und entsprechende Schutzmaßnahmen aufgelistet werden. Die Baubetriebe der Branche x können dann auf dieses Schutzmaßnahmenkonzept / Branchenlösung verweisen, wenn sie die genannten technischen Schutzmaßnahmen noch nicht einsetzen können und ggf. mit Atemschutz arbeiten. Auch für die Isolierbranche ist eine Branchenlösung in Erarbeitung.
Über das Aktionsprogramm und die bereits erarbeiteten Branchenlösungen informiert die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft unter www.bgbau.de/staubarm-bauen.

Verhaltensprävention - Präventionsprogramm der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft 

„Technische Innovation, bessere Organisation und höhere Qualifikation der Berufstätigen haben sich über lange Zeit positiv auf die Unfallstatistik ausgewirkt. Doch seit Jahren hat sich der langfristige Trend rückläufiger Unfallzahlen verlangsamt. Eine weitere Senkung der Unfallzahlen scheint nur durch neue Ansätze möglich,“ so die BG BAU. Ziel dieses Präventionsprogramms sind die Beschäftigten mit ihrem Verhalten auf der Baustelle. Sie sollen für Gefahren und Risiken am Arbeitsplatz (neben der Gefährdungsbeurteilung durch den Arbeitgeber) sensibilisiert werden, ihre Risiko- und Gesundheitskompetenz soll erhöht, das eigene Handeln reflektiert und verändert werden. Insoweit lautet die offizielle Kernbotschaft "Sicheres Verhalten lohnt sich für dich, deine Familie, Freunde und Kollegen!". Die Charta wurde von den Sozialpartnern der Bauwirtschaft, so dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und der BG BAU unterzeichnet. Schon seit langer Zeit ist es ein Anliegen des Deutschen Baugewerbes, so auch des Isolierhandwerks, das Verhalten der Beschäftigten in den Fokus der Bemühungen der BG BAU zu stellen. Die BG BAU will vor allem die Beschäftigten, aber auch die Betriebe sowie Sozialpartner, Innungen, Kammern, Verbände und Fachöffentlichkeit mit Plakaten, Anzeigen, Social Media Maßnahmen, Aktionen und Wettbewerben über den eigenen Umgang in Gefahrsituationen aktiv informieren. 
Weitere Informationen finden Sie auf der eigens für das Präventionsprogramm eingerichteten Webseite unter www.bau-auf-sicherheit.de.

 

Der folgende Artikel der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) "Staub war gestern – Echte Profis arbeiten staubarm" (PDF) beschreibt das Themenfeld der Stäube detailliert.

 

Rudolf Domscheid 


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